Von Schöpfungshöhe, Individualität und Zufälligkeit


Man setzt sich mit einem Thema auseinander, wenn dieses relevant wird. Relevant ist relativ.

In der Community liest man dieser Tage vermehrt von Schöpfungshöhe, daher lege ich speziell vor diesem Hintergrund meine Sicht auf #MadebyTwitter dar.

Schöpfungshöhe. Eine Messlatte im Deutschen Urheberrecht. Seit 1959. Was bedeutet dies für die aktuelle Debatte?

Tweets. Mikrobloggingbeiträge. Sie sind, was sie sind: nämlich nur maximal 140 Zeichen. Aber sie funktionieren. Und zwar GENAU SO wie sie sind. Sie bringen zum Lachen, Nachdenken und manchmal auch zum Weinen. Sie ernten Sterne und Pokale.

140 Zeichen. So wenigen Pixeln und Buchstaben eine Zufälligkeit oder einen Mangel an Individualität vorzuwerfen ist gar zu einfach. Fakt ist, MadeMD hat diese Anordnung an Buchstaben genutzt. Kopiert eben.
Alle wissen wir, wie schmal der Grat ist zwischen einem „erfolgreichen“ Tweet, der viele Personen im Geiste erreicht, und einem mittelmäßigen. Manchmal ist es nur ein Wort, das einen Tweet davor bewahrt sich zu lesen wie ein flacher Zeitungswitz und ihn stattdessen zu einem Geniestreich macht. Folgerichtig wäre MadeMD nicht in der Lage den kopierten Tweets etwas IHRER Individualität beizumischen und dennoch denselben Effekt beim Leser zu erzielen. Zum Beispiel in letzter Konsequenz Geld für ein Buch mit Tweets auszugeben.

Einfach ausgedrückt: MadeMD kopiert nur erfolgreiche oder zumindest bewährte Tweets. Ist das nicht kennzeichnend genug? Nach einem „Morgen ist Montag, ich habe frei und ihr könnt mir gar nichts.“ haben sie sich bis dato nicht die Finger geleckt.

Nur weil auch die besten Tweets aus dem Alltag berichten und über Profanstes Zeugnis ablegen, mangelt es ihnen nicht an Individualität. Individualität ist eben auch Qualität, die – wie wir alle wissen – nicht von Quantität abgebildet wird.

Mit der Bündelung des kopierten geistigen Eigentums und der Veröffentlichung eines Buches hat man sich bedauerlicherweise eine komfortable Ausgangssituation geschaffen und so mancher Anforderung Genüge getan. Macht die fehlende Bestrebung Tweets zu kommerzialisieren ihre wahrhaftigen Urheber zu Rechtlosen?

Ich habe keinen juristischen Hintergrund, aber vielleicht ein klein wenig Hirn. Ich möchte mit den vorangegangenen Sätzen keinen Rechtsstreit gewinnen, aber mit einem Common Sense Bewusstsein schaffen – für Recht und für Unrecht.

Schöpfungshöhe und Individualität. Argumentativ hat sich MadeMD ins eigene Bein geschossen.
Die Deutsche Rechtsprechung hat allerdings das letzte Wort.

K.

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